Flaschen die an Bäumen wachsen
In der Achziger Jahren gehörte das in jede gute Hausbar: Ein Birnenschnaps.
Und zwar einer in dessen Flasche das Obst am Stück drinnen war. Heute wie damals ist
das Obst in der Schnapsflasche mehr als nur ein Hingucker, der immer wieder zu gleichen
Frage führt: Wie kommt diese Birne in die Flasche? Ein Williams mit Birne in der Flasche ist
ist vielmehr eine Rarität die immer noch in jede Hausbar gehört. Am nördlichen Kaiserstuhl
in Königschaffhausen beherrscht Manfred Henninger das gar nicht so einfache Geschäft mit der
Birne in der Flasche. Schon Vater Fred hatte die Williams Birnen in die Flaschen wachsen lassen
und Sohn Manfred führt diese Tradition weiter. Die generationsübergreifende Erfahrung ist auch
nötig, denn schon kleinste Fehler werden bestraft.
Aber wie kommt die Birne nun in die Flasche? Nachdem die Birnenblüte befruchtet ist und
alle Blütenblätter abgefallen sind wird die noch miniaturgroße Birne mit Zweig in die
Flaschenmitte gesteckt.
Die Flasche sollte dann Kopfüber hängen. Geerntet werden die Williams-Christ Birnen noch
leicht grün, meist im September. Und bei allem, was man dann tut, gilt: Flasche und Birne mit
besonderer Vorsicht behandeln. Eine Druckstelle genügt und lässt die wunderschöne Schnaps und
Flaschenpracht braun werden. Manfred Henninger passiert das natürlich höchst selten.
Der Königschaffhausener Rebveredler ist nämlich nicht nur ein Fachmann für Jungreben. Vielmehr
hat sich Manfred Henninger, der auch zahlreiche Obstwiesen bewirtschaftet der Schnaps- und
Likörbrennerei verschrieben.
Aus beinahme allem was am Kaiserstuhl wächst, brennt er Schnaps oder Likör: Ob Holunder,
Himbeeren, Birnen, Äpfel - bei Henninger kommt alles in den Kessel. Und weil die Henningers
aus Königschaffhausen, dem Kirschendorf am Kaiserstuhl stammen, spielen natürlich Kirschwasser
und Kirschlikör eine Rolle. Als echter Meister seines Faches sorgt sich Henninger nicht nur
um den eigentlichen Brennvorgang, sondern auch um das Reifestadium und die Auswahl von Obst und
Früchten.
Probieren kann man die Destillate übrigens direkt bei Henningers in Königschaffhausen.
In Ihrem Hof haben die Eheleute ein kleine aber feiner Probierstübchen eingerichtet.
Dort erzählen einem Manfred Henninger und seie Frau Martina gerne und ausführlich, wie die
Birne dann tatsächlich in die Flasche kommt.
veröffentlicht im RegioMagazin 09/04